Film "Der entsorgte Vater" von Douglas Wolfsperger - Kommentar
Männer mit Hobby
Kommentar von VAMV Bundesgeschäftsführerin Peggi Liebisch zum Film „Der entsorgte Vater“ von Douglas Wolfsperger, der seit 11. Juni in den Kinos läuft und viel Echo in der Presse findet :
In der 90-minütigen Dokumentation werden fünf Männer portraitiert, die alle mehr oder weniger bzw. keinen Kontakt zu ihren Kindern haben. Ziemlich normale, eher unauffällige Männer mit den üblichen Männerhobbys wie Bäume fällen und Höhlen auskundschaften, Segelfliegen, Krafttraining und Filmemachen. Sie schildern in unterschiedlichen Sequenzen, die leider nicht besonders spannend oder filmerisch originell sind, dass sie ihre Kinder nicht sehen dürfen und ganz heftig darunter leiden. Einige von ihnen sind im Väteraufbruch für Kinder (VfK) aktiv. Nach ihren Aussagen dürfen sie die Kinder nicht sehen, weil die Mütter es nicht wollen. Jugendämter, Gerichte und Gutachten würden dies größtenteils unterstützen. Die Mütter kommen im Film nicht zu Wort, auch nicht die zum Teil schon erwachsenen Kinder.
Was ist die Botschaft des Films? Ist es ein politischer Film, eine Kampfansage an alle Frauen, die den Männern die Kinder verweigern? Hat deshalb der Väteraufbruch eine Nebenrolle im Film erhalten?
Douglas Wolfsperger ist kein politischer Mensch, er ist Filmemacher und er wollte seinen Schmerz aufarbeiten. In diesem Prozess hat er viele andere Männer kennen gelernt und gemerkt, dass er mit seinem Schmerz nicht allein ist. Die Dokumentation ist eine Innenansicht auf die Befindlichkeit der im Väteraufbruch aktiven Männer, deshalb reagieren sie auch so stark darauf. Der Film spricht ihnen aus der Seele. Das ist auch schon alles.
Als Alleinerziehende wünscht man sich, dass so ein Film auch mal über die viel größere Gruppe der „vergessenen Kinder“ gedreht würde, um den zahllosen Kränkungen und Vernachlässigungen, die Kinder durch ihre Väter erfahren, Ausdruck zu geben.
Ein kluger Mensch, der sich im politischen Geschehen aufmerksam und engagiert bewegt, gleichzeitig durch seine Selbstreflexion eine gewisse Reife erreicht hat, nähme den Film zum Anlass, sich um für mehr Frieden zu bemühen: Denn nur weil sich in den Städten mittlerweile die Hälfte aller Paare nach einigen Jahren trennen und dabei oft auch Kinder mit im Spiel sind, heißt das ja nicht, dass hier ein Rosenkrieg nach filmerischem Vorbild ausbrechen muss. Im Gegenteil: Immer mehr Paare schaffen es – auch den Kindern zu Liebe – auch nach ihrer Trennung eine Art gemeinsame Elternschaft aufrecht zu erhalten. Und in den hochkonflikthaften Fällen gibt es mittlerweile gute Methoden der Beratung und Mediation. Manchmal geht die Einigung schnell, manchmal braucht sie etwas länger. Wie die Männer in dem Film einen jahrelangen Groll gegen die ehemalige Partnerin zu hegen, ist nicht nachahmenswert und natürlich auch nicht gut für die Kinder.
Dass der Film eine so hohe Aufmerksamkeit in den Printmedien erhält, kann man damit erklären, dass sich hier viele Journalisten „irgendwie“ angesprochen fühlen, da sie wie viele andere „irgendwie“ in Beziehungskrisen stecken oder wissen, dass Beziehungen heutzutage „irgendwie“ kompliziert sind und sie mit ihrer „Männer-sind-einfach-gestrickt“- Befindlichkeit bei den „komplizierter denkenden Frauen“ (Zitat eines Mannes aus der Doku) auf grundsätzliche Schwierigkeiten stoßen.
Der Film kann den Anstoß für eine politische Diskussion geben. Die darin geschilderten Fälle lassen jedoch keine allgemeinen Rückschlüsse zu und sind daher denkbar ungeeignet, sich konstruktiv mit dem Thema Trennung und Scheidung auseinanderzusetzen.
Peggi Liebisch
Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V.
18. Juni 2009
